Marketing-Tricks: So manipulieren dich Verpackungen im Supermarkt

Wenn ich im Supermarkt oder in der Drogerie durch die Regale gehe, fällt mir als Chemikerin immer wieder auf: Verpackungen folgen bestimmten Mustern und sind gerne voll von Statements. Es geht dabei nicht nur um einzelne Begriffe wie „natürlich“ oder „sanft“, sondern um ein ganzes System optischer und sprachlicher Tricks, die gezielt unsere Wahrnehmung beeinflussen sollen. Diese Muster sind so weit verbreitet, dass wir sie kaum noch bewusst wahrnehmen – dabei verraten sie oft mehr über Marketingstrategien als über die tatsächliche Produktqualität.

Grün ist das neue Glaubwürdig

Farbpsychologie spielt eine zentrale Rolle im Verpackungsdesign. Grüntöne dominieren mittlerweile ganze Produktkategorien – nur sagt die Farbe der Verpackung leider nichts über den Inhalt aus. Hersteller wissen genau, dass wir als potentielle Käufer Grün mit Natur, Gesundheit und Umweltfreundlichkeit assoziieren. Deshalb werden selbst konventionelle Produkte zunehmend in Grün- und Erdtönen präsentiert.

Besonders auffällig wird dieses Muster, wenn man ältere Verpackungen mit neueren vergleicht: Produkte, deren Zusammensetzung sich kaum verändert hat, erscheinen plötzlich in natürlichen Farben. Gleiches Rezept, komplett neue Wahrnehmung.

Blätter, Wassertropfen und die Illusion der Naturkosmetik

Eng verbunden mit grünen Verpackungen sind Bilder, die Natürlichkeit suggerieren. Blätter in allen Variationen zieren Cremes, Shampoos und sogar Reinigungsmittel; Wassertropfen werden gerne als Symbol für Reinheit und Frische verwendet. Leider kann ich als Verbraucher:in bei einer Creme mit Blatt-Motiv und grüner Verpackung keineswegs davon ausgehen, dass es sich um Naturkosmetik handelt. Die Inhaltsstoffliste ist der einzige verlässliche Indikator.

Babys verkaufen Vertrauen

Sehr beliebt: Abbildungen von Babys auf Produkten, die gar nicht unbedingt für Babys gedacht sind. Die niedlichen Kleinen sollen natürlich Sanftheit und ein Gefühl von Sicherheit suggerieren. Tatsächlich sagen Babyfotos auf der Verpackung leider nichts über dermatologische Tests an empfindlicher Haut aus. Es kann sich um ein ganz gewöhnliches Produkt handeln.

Laborbilder und Pseudowissenschaftlichkeit

Auf der anderen Seite des Spektrums werden schwere Geschütze aufgefahren: Reagenzgläser, Mikroskope, weiße Kittel und abstrakte molekulare Strukturen auf der Verpackung sollen Seriosität, Forschung und Wirksamkeit unterstreichen. Besonders beliebt ist dieses Schema bei Anti-Ageing-Produkten und Haarpflegeprodukten.

Begriffe wie „klinisch getestet“ oder „dermatologisch getestet“ werden ebenfalls gerne prominent platziert, obwohl sie rechtlich kaum geschützt sind und praktisch nichts aussagen. „Klinisch getestet“ kann bedeuten, dass zehn Personen das Produkt eine Woche lang verwendet haben – ohne Kontrollgruppe, ohne unabhängige Prüfung, ohne veröffentlichte Ergebnisse. „Dermatologisch getestet“ sagt lediglich aus, dass ein Hautarzt irgendwann involviert war, nicht aber in welcher Form oder mit welchem Ergebnis.

Prozentangaben ohne Kontext

„97% natürlich“, „95 % biologisch abbaubar“ – Prozentangaben auf Verpackungen erwecken den Eindruck von Präzision und Transparenz. Das Problem ist, dass selten erklärt wird, worauf sich diese Prozentzahl bezieht.

Im Extremfall könnte das so aussehen: Werden Wasser und Alkohol mitgezählt, die zwar natürlich, aber nicht besonders aussagekräftig sind? Falls ja, könnte man ein Produkt als „97% natürlich“ zu bezeichnen, weil es zu 97% aus Wasser besteht. Das ist technisch völlig korrekt, aber leider irreführend, da die restlichen 3% auch problematische Stoffe sein könnten.

Die Siegeloptik – Vertrauen durch Autorität

Besonders raffiniert ist der Einsatz von grafischen Elementen, die an offizielle Siegel erinnern. Runde oder ovale Formen mit Randverzierung, manchmal mit Sternen oder Häkchen versehen, erwecken den Eindruck einer unabhängigen Zertifizierung. Dabei handelt es sich oft nur um herstellereigene Claims ohne externe Prüfung.

Echte Siegel wie das EU-Bio-Logo, Naturkosmetik-Zertifikate oder Fair-Trade-Kennzeichnungen sind klar definiert und prüfbar. Die siegelähnlichen Marketingelemente jedoch nutzen unsere konditionierte Reaktion auf Zertifizierungen, ohne tatsächlich eine zu sein. Ein goldener Kreis mit dem Schriftzug „Premium Qualität“ auf der neuen Sonnencreme fürs Baby mag wie eine Auszeichnung aussehen – ist aber nur Eigenlob in grafischer Form.

Was bedeutet das für uns als Verbraucher:innen?

Diese Muster zu erkennen bedeutet nicht, dass alle Produkte, die sie verwenden, automatisch schlecht sind. Es geht darum, den Unterschied zwischen Marketing und Information zu verstehen. Eine grüne Verpackung mit Blättern sagt nichts über die Umweltverträglichkeit aus. Ein Babygesicht garantiert keine besondere Hautverträglichkeit. Siegeloptiken sind keine echten Zertifikate.

Die einzig verlässliche Informationsquelle bleibt die vollständige Inhaltsstoffliste, idealerweise kombiniert mit unabhängigen Tests und echten Siegeln von vertrauenswürdigen Organisationen. Alles andere auf der Verpackung ist Kommunikationsstrategie – professionell gestaltet, psychologisch durchdacht und rechtlich abgesichert, aber eben primär dazu da, uns zum Kauf zu bewegen.

Die Wissenschaft hinter Kosmetik und Haushaltsprodukten ist komplex. Genau deshalb funktionieren diese vereinfachenden visuellen und sprachlichen Muster so gut. Sie bieten scheinbar einfache Orientierung in einem undurchsichtigen Markt. Doch wer bewusster einkaufen möchte, sollte hinter die Fassade schauen – oder sich zumindest bewusst sein, dass es eine Fassade ist.


Du möchtest tiefer in die Welt der Marketing-Tricks eintauchen? Mein kompaktes „Sichere Babykosmetik ohne Stress“-System widmet sich in einem ganzen Kapitel ausführlich den gängisten Marketing und Greenwashing-Tricks. Du lernst, wie man Werbestrategien durchschaut und wirklich die sinnvollsten Produkte für dein Baby identifizierst. Mit praktischen Checklisten, Beispielen aus dem Supermarktregal und verständlichen Erklärungen, wie man Inhaltsstofflisten liest.

Interessiert? Jetzt Early Bird Rabatt sichern und für 27 Euro bestellen (später 97 Euro)

Weitere Artikel im Blog

Vielleicht auch hilfreich:

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert